Braucht meine Katze Freigang, um glücklich zu sein?

Ein zentraler Aspekt unserer Tierschutzarbeit liegt in der Vermittlung von Katzen in ein liebevolles, aber auch sicheres neues Zuhause. Dabei spielen zahlreiche Kriterien eine bedeutende Rolle bei der Auswahl der passenden Adoptivfamilie oder des geeigneten Lebensumfeldes. Insbesondere das Thema Freigang kann dabei von entscheidender Bedeutung sein.

Wir möchten nicht nur im Kontext der Vermittlung auf dieses Thema eingehen, sondern auch aufgrund der zunehmenden Anfragen, die uns erreichen. In diesem Artikel möchten wir unseren Standpunkt klar darlegen. Wir sind uns bewusst, dass andere Organisationen, Tierheime oder Züchter möglicherweise unterschiedliche Ansichten vertreten und sogar andere Voraussetzungen anwenden.

Der Preis der Freiheit bei Freigängern

Es ist zweifellos wahr, dass Freigängerkatzen einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt sind, darunter Krankheiten, Giftstoffe, Parasiten und die Gefahren des Straßenverkehrs.
Es mag drastisch klingen, aber Katzenhalter sollten sich darüber im Klaren sein, dass bei jeder Erkundungstour in der Nachbarschaft die reale Gefahr besteht, dass ihr geliebtes Tier nicht mehr sicher nach Hause zurückkehrt.

Die Tatsache, ob eine Katze gechipt ist, kastriert wurde oder sogar mit einem GPS-Tracker ausgestattet ist, spielt dabei keine Rolle. Diese Vorkehrungen können zwar dabei helfen, ein vermisstes Tier aufzuspüren, jedoch können tragische Unfälle nicht verhindern. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist zudem, dass Katzen durch ihre Streifzüge in der Natur Schäden an der heimischen Tierwelt verursachen können. Selbst Katzen, die in einem behüteten Zuhause gut genährt werden, unterliegen ihrem angeborenen Jagdinstinkt und stellen eine potenzielle Bedrohung für Mäuse und Vögel dar.

Die Abwägung zwischen den Vorzügen und den Risiken des Freigangs für Katzen ist von entscheidender Bedeutung. Oft hören wir das Argument: “Es fahren kaum Autos auf der Straße vor unserer Wohnung.” Doch diesem Argument können wir nicht blind vertrauen, denn es gibt keine absolute Garantie für die Sicherheit. Katzen können auf ihren Streifzügen weite Strecken zurücklegen, und wenn sie in Revierkämpfe verwickelt sind, fällt es ihnen oft schwer, ihre Orientierung wiederzufinden. Neben dem Risiko des Straßenverkehrs lauern auch andere Gefahren wie Eisenbahnstrecken, Teiche oder Garagen, die möglicherweise verschlossen sind.

Stimmt das? Nur Katzenhaltung mit Freigang ist artgerecht

Es mag sein, dass die Haltung von Katzen mit Freigang auf den ersten Blick einfacher erscheint, um ihren natürlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Doch auch bei Wohnungskatzen gibt es Möglichkeiten, den Jagdinstinkt, den Bewegungsdrang und die Neugierde zu befriedigen. Mit ein paar praktischen Tipps kannst du eine katzengerechte Umgebung schaffen. Entdecke hier, wie du deine Wohnung optimal gestalten kannst, um das Wohlbefinden deiner Katze zu fördern:

Unsere Überzeugung ist stark geprägt von der Ansicht, dass es für Katzen äußerst wichtig ist, Zeit mit Artgenossen zu verbringen, um ihren Spieltrieb auszuleben und ihr Sozialverhalten zu fördern. Unabhängig davon, wie intensiv du dich mit deiner Katze beschäftigst, kannst du niemals einen Artgenossen ersetzen. Aus diesem Grund legen wir großen Wert darauf, bei der Vermittlung von einzelnen Tieren in ein neues Zuhause darauf zu achten, ob bereits andere Katzen im Haushalt vorhanden sind.

Sind ehemalige Straßenkatzen für die Wohnungshaltung geeignet?

Tatsächlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass entgegen der weit verbreiteten Annahme, Straßenkatzen besonders unabhängige Tiere seien, gerade Streuner sich erstaunlich gut für die Wohnungshaltung eignen und sich schnell integrieren können. Straßenkatzen zahlen oft einen hohen Preis für ihre vermeintliche Freiheit, da sie täglich um ihr Überleben kämpfen müssen. Die Suche nach Nahrung, einem sicheren Schlafplatz und Revierkämpfe gehören zu ihrem harten Alltag. Infolgedessen ist ihre Assoziation mit Freiheit oft eher negativ behaftet.

Häufig vermitteln wir ehemalige Straßenkatzen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung besonders gut für die Wohnungshaltung geeignet sind.

Gesicherter Freigang - ein Kompromiss für das Wohlbefinden deiner Katze?

Hast du das Gefühl, dass deine Katze trotz vieler Beschäftigungsmöglichkeiten und einer katzenfreundlichen Einrichtung deiner Wohnung nicht ausgelastet ist? Abhängig von deiner persönlichen Wohnsituation gibt es verschiedene Möglichkeiten, dies zu ändern. Du könntest deinen Balkon katzensicher gestalten, ein Freigehege im Garten errichten oder sogar den gesamten Garten ausbruchsicher machen. Im Internet findest du zahlreiche Anleitungen dazu.

Zudem gibt es Unternehmen, die sich auf die katzensichere Gestaltung von Wohnräumen spezialisiert haben. Obwohl diese Lösungen etwas kostspieliger sind als Do-it-Yourself-Ansätze, kann sich die Qualität von professioneller Arbeit lohnen, insbesondere wenn es um die Sicherheit und das Wohlbefinden deiner Katze geht.
Spaziergänge sollten trainiert werden
Eine weitere Möglichkeit für deine Katze, sich im Freien zu bewegen, ist das gemeinsame Spazierengehen an der Leine. Dies erfordert Geduld und Training, um deine Katze an die Leine zu gewöhnen. Eine Beratung im Tierfachgeschäft bezüglich eines geeigneten Geschirrs, das gut sitzt und die Bewegungsfreiheit nicht zu sehr einschränkt, ist empfehlenswert.

Beginne das Leinentraining, indem du das Geschirr zunächst für einige Minuten spielerisch deiner Katze anlegst und sie mit kleinen Belohnungen motivierst. Steigere allmählich die Tragedauer des Geschirrs, bis du schließlich ein paar Schritte mit der Leine in der vertrauten Umgebung machst. Erhöhe langsam die Distanz, bevor du dich zu einem ersten kleinen Spaziergang im Freien aufmachst.

Viele Katzenbesitzer nutzen für längere Ausflüge auch spezielle Katzenrucksäcke oder Tier-Trolleys, um ihrer Katze einen sicheren Rückzugsort für stressige Situationen zu bieten.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht jede Katze für Spaziergänge geeignet ist. Einige Tiere reagieren sehr gestresst, wenn sie sich außerhalb ihrer gewohnten Umgebung befinden, während andere Katzen neue Eindrücke und Gerüche förmlich aufsaugen.

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